Wirkfaktoren

Der Kontakt zu Tieren kann eine wohltuenden und allgemein gesundheitsfördernde Wirkung auf Menschen haben. Man unterscheidet diesbezüglich physiologische, psychologische, soziale und kognitive Wirkfaktoren (Breuer, 2008). Psychologische und physio­logische Wirkungen gehen meist Hand in Hand. Direkt messbar sind allerdings nur die physiologischen Auswirkungen. So konnte die blutdrucksenkende Wirkung des Tierkontaktes wissenschaftlich nachgewiesen werden. Ebenso wie eine Regulierung der Atem- und Herz­frequenz. Besitzer eines Haustieres haben ein verringertes Risiko an Herz-Kreislauf-Störung zu erkranken, was vor für Senioren von besonderer Relevanz ist.

Tiere aktivieren und motivieren zu Bewegung. Die als psychologischer Effekt auftretende Beruhigung und Freude durch den Tierkontakt schlägt sich auch auf physiologischer Seite nieder. E. Olbrich (2011) zeigt eine neurologische und eine humorale Hypothese auf (Olbrich, 2011). Die neurologische Hypothese geht davon aus, dass Spiegelneuronen für unser Sozialverhalten und unsere Empathiefähigkeit verantwortlich sind. Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die im Gehirn von Primaten beim Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster aufweisen, wie es entstünde, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern selbst (aktiv) durchgeführt würde. Erstmals beschrieben wurden sie von Giacomo Rizzolatti bei Affen. Nach der humoralen Hypothese liegen unserem Beziehungsverhalten neuro-humorale Systeme zugrunde (Fischer, 2000). So werden bei positiv erlebtem Tierkontakt beispielsweise Beta­endorphine ausgeschüttet, die wiederum das Immunsystem stabilisieren, Muskeln entspannen und Schmerzen lindern. In diesem Zusammenhang intensiv beforscht wird das Hormon Oxytocin, dessen Konzentration im Blut messbar ist. Das Streicheln eines vom Probanden gemochten Tieres führt zu einem messbaren Anstieg der Oxytocin-Konzentration im Körper. Oxytocin wird z.B. in Großen Mengen bei der Geburt ausgeschüttet. Es leitet die Wehen ein und erhöht die Bereitschaft der Mutter, sich an das Neugeborene zu binden (Hrdy, 2002). Oxytocin gilt daher als Bindungshormon und erhöht die Motivation, sozial zu interagieren (Insel & Young, 2001).

Aus psychologischer Sicht spenden Tiere Trost, erlauben unstigmatisierten Körperkontakt,  Bestätigung usw. Ein immer freudig begrüßender Hund schenkt dem Patienten konstante Wertschätzung. Befolgt das Tier seine Befehle, ermöglicht es dem Patienten das Ausüben von Autorität. Im Versorgen und Streicheln übernimmt er Verantwortung für ein anderes Wesen. Senioren haben so die Möglichkeit, sich als kompetent, selbstwirksam und wertvoll wahrzunehmen.

Einige dieser Wirkungen kann man auch als sozial bezeichnen. Allerdings schlagen auch diese sich in verbessertem psychischem Befinden nieder. Außerdem wirken Tiere als soziale Katalysatoren sowohl zwischen den Patienten als auch zwischen Patient und Therapeuten. Auf die tiergestützten Interventionen in Pflegeheimen angewendet heißt das auch, dass sich das soziale Klima auf den Stationen positiv verändert, sobald Tiere anwesend sind. Das Wohlbefinden des betreuenden Personals ist enorm wichtig auch für die pflege­bedürftigen Bewohner. Aus diesem Grund, versuche ich bei meinen Besuchen das an­wesende Personal in die tiergestützten Interventionen  einzubeziehen.

Kognition ist die „allgemeine Bezeichnung für Prozesse und Produkte von Wahrnehmung, Erkennen, Denken, Schlussfolgern, Urteilen, Erinnern usw.“ (Pschyrembel, 2002) zum Beispiel auch Konzentration und Gedächtnis. Kognitive Wirkungen erzielen tiergestützte Interventionen durch das Anregen der Sinnesorgane, der Motorik und verschiedener Denkprozesse.